Touren

2011 | Bremerhaven

Im Windkanal

Man stellt es sich schwierig vor! Mit 16 Leuten eine gemeinsame Radtour: Einer ist immer hinterm Busch, einer wechselt gerade die Jacke und mindestens einer hadert gerade mit seinem Schicksal. Aber ein gemeinsames Ziel vor Augen – die nächste Einkehrmöglichkeit – setzt ungeahnte Kräfte frei und selbst nach einem Besuch auf der Bounty in Bremerhaven gab es keine Anzeichen von Meuterei in der Mannschaft. Im Gegenteil: Mit über 16 km/h im Durchschnitt sind wir verhältnismäßig gut voran gekommen.

Das Wetter war letztlich besser als befürchtet. Der Sturm hat den Regenwolken keine Chance gelassen, sich über uns auszuschütten. Deswegen ist leider das Regenequipment nicht zum Einsatz gekommen und es fehlen die immer wieder schönen Fotos von 16 Teletubbies in bollerigen Regenhosen, mit abenteuerlichen Kopfbedeckungen und beschlagenen Brillen. Dafür gab es reichlich Wind von vorne und erst auf der Rückfahrt nach Bremen war vom Wind nichts mehr zu spüren.

Die Picknicks waren wie gewohnt ein Querschnitt durch die norddeutschen Gourmettempel Aldi, Lestra, Schröder und Becker, international angehaucht durch holländische Goudaröllchen, spanische Rauchmandeln und polnische Michalskies. Alles immer geteilt durch 16, was bei 8 Flaschen Rotwein noch relativ einfach ist, bei 3 übrig gebliebenen Michalskies nur nach den Vorbild des gordischen Knotens zu lösen war. Hier gibt es kaum etwas was zu verbessern, schön wäre es natürlich, wenn die Häppchen nach Sushiart auf einem Laufband an uns vorbei fahren würden – wir könnten dazu unsere Märklin-Eisenbahnen wieder aktivieren?

Technisch sind wir weit unter unseren Möglichkeiten geblieben. Vertüdelte Spanngurte und verklemmte Packtaschen waren keine wirkliche Herausforderung. Sieben Leathermen haben vergeblich auf Ihren Einsatz gewartet und dabei wären wir von der Ausrüstung her in der Lage gewesen, zwei Räder komplett zu zerlegen und daraus ein Tandem zu bauen.

Wo so viele erfahrene Menschen zusammen kommen, bleibt geballte Lebensweisheit nicht aus.  So wissen wir jetzt: Wenn Magath mit der Peitsche kommt, ist die größte Gefahr vorbei, Primzahlen sind teilbar, ein Stück Torte geht immer und Buttpetten ist ein schmutziges Geschäft.  Was dringend gebraucht wird, sind iPhone-Halterungen für den Lenker weil man sonst nur in den Pausen mit der wwwelt verknüpft ist und ein App. mit Kaminfeuer für die kühlen Momente. Reisen bildet.

Neue Freundschaften wurden geknüpft, mit muffeligen Nachtportiers, geschäftstüchtigen Kellnerinnen und Bratwurstkönigen sowohl real als auch virtuell bei Facebook. Pläne für Seniorenwohngemeinschaften wurden geschmiedet, erstes Interesse für E-Bikes bekundet, Krankengeschichten ausgetauscht und schon jetzt sind bundesweit Zechen in Lokalen angezahlt worden, die noch gar nicht wissen, dass wir in 2 Jahren dort vorbeikommen werden.

Und auch wenn es der Wirtin in XY so vorkam, als wenn wir alle gleich aussehen, alle Schätzchen heißen und nur unsere Mutter uns unterscheiden kann. Meines Wissens sind am Ende alle Paare wieder so zu Hause angekommen wie sie am Freitag abgefahren sind. Auf ein Neues – in 2 Jahren?

Termin: 29. – 31. Juli 2011

Teilnehmer: Andree, Anne, Brigitte, Claudia, Friedrich, Gisi, Hanna, Hans-Dieter, Hetty, Jürgen, Karl-Heinz, Lydia, Marlies, Peter, Reinhard und Rolf

Hotel: comfort-hotel-bremerhaven