Touren

Wie alles anfing

Radfahren wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Die Eltern hatten zwar Fahrräder, ich kann mich aber nicht erinnern, dass sie auch bewegt wurden. Gelernt habe ich auf dem Damenrad von Trudi, im Stehen, denn der Sattel war damals in unerreichbarer Höhe. Im zarten Alter von geschätzt 8 Jahren brachte dann mein Opa ein Rad von einer Versteigerung mit, ein ausgewachsenes Herrenrad bei dem der Sattel ohne Sattelstütze direkt auf die Stange montiert werden musste. Das konnte ich auch schon flicken und putzen und ein Lieblingsspiel war es, Pappen zwischen die Speichen zu stecken, die dann beim Fahren einen Höllenlärm machten (mach ich bei Gelegenheit mal vor).

Später wurde das Rad noch mehrfach gepimpt mit einen hochgedrehten Rennradlenker, Flaggen, Dekobändern um die Bowdenzüge und einem Kilometerzähler unten an der Nabe. Radfahren wurde dann uncool, spätestens mit 15, als die ersten Leute mit Mofas unterwegs waren. Zu der Zeit fuhr ich ein klappriges Klapprad, nichts womit man angeben konnte.

Es muss wohl 1985 gewesen sein, Semesterferien. Radfahren gehörte damals nicht zum Studentenalltag, trotzdem haben wir (Sabine, Ute, Sigrid, Volker, Manni, Achim, Peter) beschlossen, wahrscheinlich weil es total absurd war, eine Radtour Richtung Norden, mindestens bis nach Dänemark zu machen. Start war in Lübeck, von da ist Dänemark nicht ganz so weit.

Ein eigenes Fahrrad hatte ich nicht, die Eltern von Sigrid hatten mir eins geschenkt oder geliehen. Geschätzt 20 Kilometer haben wir am ersten Tag geschafft, dann wurde es dunkel, hat wahrscheinlich auch noch geregnet, jedenfalls haben wir mitten in der Pampa in einer abbruchreifen Schmiede in unseren Schlafsäcken übernachtet. Da war der Frust schon ziemlich groß und die schleswigholsteinischen Berge mit Gegenwind haben uns am nächsten Tag den Rest gegegben. Trotzdem sind wir nach mehreren Tagen irgendwie bis nach Dänemark gekommen, wahrscheinlich nur bis kurz hinter die Grenze. Von Camping hatten wir inzwischen die Nase voll, haben uns eine Ferienwohnung gemietet, ich weiß gar nicht mehr, ob wir überhaupt zurück gefahren sind oder ob wir die Räder per Bahn transportiert haben – möglich ist alles.

Danach hab ich  jahrelang kein Fahrrad mehr angefasst und erst nach dem Studium haben Brigitte und ich uns zwei nagelneue superbillige baugleiche Damenräder (cool) angeschafft, die wir anfangs aber auch nicht oft genutzt haben, weil es ziemlich umständlich war, die Dinger vom Keller in der Neustadt rein und raus zu schleppen.

Das wurde dann in Walle besser, wo wir eine riesige Garage zum Unterstellen hatten und sobald Lena auf dem Kindersitz sitzen konnte, war das Fahrrad ein wichtiges Fortbwegungsmttel. Der Kindersitz war vorne hinter dem Lenker, Lenas Füsse auf klappbaren Rasten – heute natürlich verboten. Das Rad wurde dann noch mit einem echten Brooks Ledersattel aufgewertet, wahrscheinlich teuerer als das ganze Rad.

Über Karl bin ich 1994 an ein Rad der Bremer Fahrradmanufaktur gekommen. Das war trotz Sparkassenmitarbeiterrabatt gefühlt richtig teuer, war aber auch ein echtes Schätzchen, dass heute noch fahrbereit im Keller steht. Zusätzlich gab es für kurze Zeit noch ein Mountainbike, an dem ich aber nicht viel Spaß hatte – unpraktisch und unbequem.