Touren

2012 | Pfalz

Neustadt | Germersheim | Heidelberg | Worms | Bad Dürkheim | Neustadt

Auf den Spuren des Saumagens

Die Anreise mit der Bahn war perfekt. Wegen des Käses hatten wir wieder ein geschlossenes 6er-Abteil gebucht, dazu wie immer leicht angekokelte Frikadellen, drei Sorten Salami und ein bisschen Rotwein für die gute Stimmung. Zweimal Umsteigen bis nach Neustadt an der Weinstraße.

Die erste Stadtbesichtigung endete gezielt in einer Vinothek, wo wir uns bei schönstem Sonnenschein schon mal einen kleinen Überblick über die Winzer der Region verschaffen konnten. Das erste Restaurant am Platze (weinstube-zwockelsbrueck) hatte leider eine geschlossene Gesellschaft und deshalb wurden die Männer auf die Jagd nach einer geeigneten Alternative geschickt. Der Inhaber eines Delikatessengeschäftes ließ sich bei einem Gläschen Riesling zwar nicht überreden, für uns zu kochen, er hatte dafür aber einen heißen Tip und die folgenden Entscheidungen waren dann nicht mehr kopfgesteuert. Von der Länge der Beine und dem niedlichen französischen Akzent der Kellnerin (Oh!) haben wir, warum auch immer, Rückschlüsse auf die Qualität der Küche gezogen und spontan einen Tisch bestellt. Die Frauen waren aber nicht unzufrieden mit unserer Wahl und die meisten von uns haben dann auch gemeinsam gut gegessen.

Ach ja, zwischendurch bekamen wir vom österreichischen Guide noch unsere Räder. Peinliche Mädchenmodelle zum raufschlüpfen mit pessimistischen 6 Ersatzschläuchen in speckigen Radtaschen. Dazu ein paar aufmunternde Worte, dass Weinberge nicht so hoch sind, wie man denkt und jede Menge Kartenmaterial, das wir während der ganzen Fahrt nicht ausgepackt haben – wir hatten ja Hans-Dieter.

Zuletzt noch ein Absacker an der Hotelbar, den wir uns mal lieber hätten sparen sollen und eine Nacht mit vermutlich mehr Auto- als sonstigem Verkehr. 


Koffer packen, Frühstücken und los. Noch ein paar Einstellungen an den Rädern, irgendwie raus aus Neustadt und im Halbschatten nach Speyer. Den Dom hatten Sie extra für uns auf die andere Seite der Stadt gestellt, so dass wir zwangsläufig über einen Bauernmarkt geschoben wurden. Zwischendurch die Erkenntnis, dass man in der Pfalz zwar sehr günstig Wein trinken kann, der aber deswegen nicht automatisch auch gut schmecken muss. Kurze Auszeit im Dom und vorbei an unromantischen Plastiktanks voll mit neuem Wein zurück zu den Rädern.

Weiter nach Germersheim. Die Zeit drängte, weil Werder und Hannover mit dem Ausstoß nicht warten wollten. Kostbare Zeit haben wir mit der Umrundung des Flugplatzes und mit Umwegen bei der Hotelsuche verloren und als wir schließlich die obligatorische Skybar gefunden hatten, war das Spiel schon in Gange. Übertragen wurde in neuster 5-D-Technik mit Rauchschwaden und sonstiger Pyrotechnik, noch echter als life, total verqualmt, viel sehen könnte man vom Spiel allerdings nicht. Mit einigen Marillenbränden haben wir uns getröstet und dass Werder verloren hat, lag einzig und allein am Schiedsrichter, obwohl der gar nicht mitgespielt hat.

Aber wir sind nicht nachtragend. Bei einem Kollegen des Schiedsrichters haben wir trotzdem zu Abend gegessen. Vorab eine Probierportion Saumagen für alle, danach sechs unterschiedliche Schnitzelvariationen und dann ging nichts mehr. Als dem freundlichen Wirt dann auch noch der Wein ausging, haben wir das Lokal gewechselt und es gab 50 Meter weiter doch tatsächlich noch eine Designer-Vinothek, die eigentlich nicht so richtig in die Landschaft passte. Ein perfekter Tag mit perfekter Nachtruhe, ganz ohne Autoverkehr.


Koffer packen, Frühstücken und los. Nach ein paar Einstellungen an den Rädern, Lenker höher, Sattel kippen, irgendwie raus aus Germersheim und nach einer triumphalen Wettfahrt mit 2 E-Bikes kurze Rast unter einer Brücke, die rüber nach Speyer führte und von Fussgängern nur so wimmelte. Super-Gau: Hans-Dieters iPad ist weg und nachdem die russische Putzfrau des Hotels in Germersheim scheinbar unschuldig war, blieb nur noch Hanna übrig. Das Thema der nächsten Stunde war dann logischerweise, ob das Hochzeitsdatum genügend Passwortschutz bietet.

Am frühen Nachmittag empfing uns Schwetzingen mit einer riesigen tiptop gepflegten Parkanlage, ähnlich wie bei den Möhlmann in Vilsen, die wir mit unserem Eintrittgeld für die nächsten Jahre  finanziert haben. Eckige Bäume, lasergeschnittene Hecken und festlich gekleidete Menschen, die uns auch mit riesigem Streuselkuchen nicht von Ihrer Gastfreundschaft überzeugen konnten, dazu noch ganz viel Kunst aus der Region. Den eigentlichen Ort haben wir nur im Rausfahren gesehen, aber ich denke, dort hätte man gut absteigen können.

Schwups standen wir in Heidelberg vor dem Hotel, das Gepäck und das verlorene iPad waren bereits dort. Bei bestem Wetter noch ein paar Bierchen gezischt und anschließend wurde der obligatorische Restaurantsuchtrupp losgeschickt. Unsere erste Wahl hatte nicht geöffnet und so sind wir schließlich bei Maria in einer Tourikneipe gelandet, was aber am Ende nicht so schlimm, weil lecker war. Ich erinnere mich gerne an meine Roulade. Der Rückweg zum Hotel vorbei an 97 Pimkies, 15 Douglas, 3 Nordseerestaurants, 8 Esprit. Erst neben dem Hotel haben wir ein passendes Plätzchen gefunden und wir konnten uns Heidelberg und unsere Zimmer im 6. Stock in Ruhe schöntrinken.


Koffer packen, Frühstücken und los. Rüber über den Neckar und ziemlich in Flussnähe bis in einen riesigen Wald mit Loungemöbeln im Halbschatten. Die vier gegelten Kellner hatten leider alle Rezepte vergessen, die ihre italienische Mama Ihnen beigebracht hatte. Die dröge Pizza und der dröge Primitivo waren kulinarisch unter unserem Niveau. Schnell weiter nach Worms und dort durch eine riesige ungastliche Baustelle über den Rhein zum nächsten Penny-Markt. Schlechter kann es nicht laufen. Das Hotel hatte seine besten Zeiten damals, als der Dom gebaut wurde, Doppelwaschtische im Schlafzimmer waren seinerzeit der letzte Schrei.

Eine kurze Stadtbesichtigung brachte auch keine neuen Einsichten. Der Ort muss wohl im 2. Weltkrieg ziemlich zerstört worden sein und ist danach lieblos wieder aufgebaut worden. Von Italienern hatten wir genug und haben uns mutig lieber auf die einheimische Hotelküche verlassen, wo zumindest die Bedienung plietsch und die Weinkarte ambitioniert waren. Die Domglocken haben dann am nächsten Morgen noch mal alles gegeben – Tschüß Worms, du hast uns nicht überzeugt.


Koffer packen, Frühstücken und los. Endlich wieder Weinberge in Sicht, kleine schnuckelige Dörfer, die uns für den vorherigen Tag entschädigt haben und weil wir es uns verdient haben, haben wir streng nach dem Motto: nie vor 12 Uhr, erstmal die Uhren vorgestellt, damit uns Uschi in Ihrem Garten mit Weißburgunder und Riesling bewirten konnte. Ein bisschen Ziebelkuchen und Streuselkuchen gingen auch noch und die Versuchung war groß, hier schon den Tag zu beenden, zumal Henry Valentino im Hintergrund einem jungen Mädchen nachstellte, der Halbschatten perfekt war und Uschi viel zu erzählen hatte.

Aber diszipliniert wie wir nun mal sind, haben wir nach einer Stunde den Ort gewechselt. Zwischendurch ein paar Hügel und die brutale Erkenntnis, dass die Trauben nicht romantisch per Hand gepflückt, sondern mit hochbeinigen Maschinen vom Rebstock geschüttelt werden. Noch mal Winzerteller, Zwiebelkuchen und Kochkäse, dazu neuer Wein aus dem Kanister – muss nicht sein.

Unser Hotel mit Himmelbett lag in Ungstein kurz vor Bad Dürkheim und hatte das gleiche hohe Verkehrsaufkommen wie der Achterdiek in Bremen, für den Weg vom Hotel zum Restaurant hätten wir gut einen Schülerlotsen gebrauchen können. Gut gesessen und gegessen haben wir wider Erwarten im Garten des Honigsäckels dem ersten Haus am Platze. Ich erinnere mich an Kartoffelsuppe mit Blutwurst und einen Kellner, der nichts von Italozismen wie Cappuccini hielt. Beim Hotel gehen die Meinungen auseinander, wir waren schon mal froh, dass das Waschbecken dort war, wo es hingehört.


Koffer packen, Frühstücken und los. Bis Bad Dürkheim war es nur noch ein Katzensprung und von da an gingen die Weinorte quasi ineinander über. Gegen 11 Uhr waren wir schon in Forst und da wir heute nur wenige Kilometer zu fahren hatten, mussten wir ein bisschen das Tempo rausnehmen und eine Weinprobe bei der Winzergenossenschaft Forst einschieben. Die Winzerin kam mit Reinhard klar, die Sonne schien, wir haben gut gesessen: genau die richtige Stimmung um erstmal 72 Flaschen Wein zu ordern, die wir zum Glück nicht gleich mitnehmen mussten.

Eine Stunde später in Deidesheim kam der kleine Hunger und Lydia hat für uns ein Lokal in der zweiten Reihe gefunden: Gepflegter Zwiebelkuchen, Saumagen und andere Kleinigkeiten konnten allerdings nicht verhindern, dass wir 2 Orte weiter schon wieder Lust auf ein Stück Streuselkuchen hatten. So ging der Tag gemütlich vorbei und wir haben gar nicht gemerkt dass die Tagesetappe kaum weiter als 20 Kilometer war.

In Neustadt haben wir die Fahrräder ohne Panne abgegeben und wenn sie auch nicht besonders sexy waren, gelaufen sind sie dann doch ganz gut. Abends hatten wir wohlweislich eine Tisch im Zwockelsbrück reserviert und weil alles so schön war, haben wir uns zum Abschied mit einem 8-Gänge-Menü belohnt, wieder mit Blutwurst diesmal mit einer Austernmuschel, zwei, die sich im normalen Leben nicht finden. Anschließend noch in unsere Vinothek. Perfekt.


Koffer packen, Frühstücken und beim freundlichen Delikatess-Italiener, die nötige Verpflegung für die Zugreise einkaufen. So lässt sich die Rückfahrt nach Bremen bequem aushalten.

Fazit: In der Nähe von Weinbergen ist es deutlich gemütlicher. Eine nette Bedienung ist Gold wert. Bei den Hotels müssen wir das Niveau wieder erhöhen. Der Kassenwart braucht mehr finanziellen Spielraum durch Prokura in der noch zu gründenden Reise GmbH. Der Reiseveranstalter tut zu wenig für sein Geld. Hans-Dieter verleihen wir nicht.


Termin: 14.09. – 20.9. 2012
Planung: Hans-Dieter
Veranstalter: Rückenwind
Team: Hanna, Lydia, Brigitte, Hans-Dieter, Reinhard, Peter
Hotels: Neustadt | Germersheim | Heidelberg | Worms | Bad Dürkheim