Touren

2014 | Saarland

Saarbrücken| Mettlach | Perl | Weiskirchen | Nohfelden |  Kirkel  | Saarbrücken

Hummelflug

Der Erfinder des E-Bikes muss ein Saarländer gewesen sein, denn nirgends kann man ein bisschen elektrischen Anschub mehr gebrauchen, als in den Hügeln des Saarlandes. So war es auf jeden Fall die beste Entscheidung, die weiblichen Genießer mit einem Elektromotor zu unterstützen, während die Herren zumindest in diesem Jahr noch mit purer Muskelkraft und ein bisschen Shimano unterwegs waren.

Die erwartete sanft ondulierte Fahrstrecke erwies sich in der Praxis als strubbeliges Auf und Ab. Steile schiebeverdächtige Anstiege, an denen die drei Hummeln surrend an uns vorbeizogen, wechselten mit rasanten Abfahrten. Spätestens am Nachmittag wussten wir, warum zu jeden E-Bike auch noch ein Ersatzakku gehörte. Typische Frauengespräche: „Ich habe nur noch zwei Striche“. „Ich hab noch drei. Fährst Du Eco oder Sport?“

Sonntag: Saarbrücken
Die Anreise mit der Bahn war abenteuerlich. Die reservierten Plätze waren natürlich besetzt und erst kurz vor Osnabrück konnten die Besitzverhältnisse endgültig geklärt werden. Aber wir hatten ja Zeit, weil das obligatorische Picknick erst in Münster vorgesehen war. Wegen Großraum, hatten wir uns bei der Käseauswahl auf etwas harmlosere Sorten beschränkt und nach Salami, Frikadellen und den begleitenden Weinen waren wir spätestens in Koblenz einigermaßen entspannt. Und gerade, als Bahnfahren langweilig zu werden drohte, hat sich die Bahn ein paar Überraschungen einfallen lassen. Gesperrte Bahngleise, geänderte Fahrstrecken, mehrfaches Umsteigen und übervolle Züge haben wir aber spielend gemeistert – mit nur 1,5 Stunden Verspätung können wir am Ende richtig stolz auf uns sein.

Die Hotelbar im Leidenberger war azubigeführt. Die Bierchen waren lecker aber das Thema Wein war in der Ausbildung noch nicht drangekommen. Bei der Getränkeberatung hat er sich jedenfalls um Kopf und Kragen geredet und der Traum vom hoteleigenen Sternerestaurant kann nur gelingen, wenn der Azubi gerade in Urlaub ist. Die Küche konnten wir nicht testen, weil Sonntag Ruhetag war und so hatte man für uns gutbürgerlich im Brauhaus reserviert. Landestypische Gefilde, Knödel und Brauhausschnitzel gingen in Ordnung. Über den Kesseln war es etwas mollig aber die Küche war zumindest saarländisch angehaucht. Hannas Averna ging aufs Haus, weil die Kellnerin nicht wusste, dass Mirabellenbrand keine Flecken auf Blusen hinterlässt. Noch einen Absacker an der Azubibar und ab ins Bett. Domicil Leidinger

Montag: Saarbrücken-Mettlach
Wir hatten mit Gepäcktransfer gebucht und die Koffer sollten jeden Tag um 9.00 Uhr von der Rezeption ins nächste Hotel transportiert werden. Auspacken lohnt nicht. Sieben Tage haben wir aus den beiden aufgeklappten Kofferhälften gelebt, immer bemüht möglichst wenig durcheinander zu bringen, um morgens wieder alles problemlos reinzukriegen. Je größer der Schmutzwäscheanteil wurde, desto einfacher war es. Reinhard hat es sich ganz einfach gemacht und hat einfach einen Teil seines Gepäcks im Leidenberger vergessen. Am Ende der Woche konnte es dann ungenutzt wieder mitnehmen.

Die erste Strecke war harmlos. Rechts die Saar und über uns die Autobahn, so ging es vorbei an imposanten Industriebauten in Völklingen weiter in die alte Festungsstadt Saarlouis. Belgische Pralinés und belgisches Eis sind hier in Erinnerung geblieben. Von Merzig hatten wir uns etwas mehr versprochen und nach langem Suchen blieb nur der muffelige Dorfitaliener für einen schnellen Mittagssnack. Weiter zu unserem ersten Ziel nach Mettlach.

Ich weiß bis heute nicht, woher der Wirt mich kannte aber er hat mich von Anfang an freundschaftlich geduzt und vertrauliche Scherze über aufgewärmtes Essen, das dringend weg muss gemacht. Später haben sich seine Scherze als bittere Wahrheit entpuppt, ein liebloses Gulasch und tropischer Fisch passten nun wirklich nicht zu einer Schlemmertour und mit seiner Weinempfehlung, einem blassen Elbling, hat er es sich endgültig mit uns verscherzt. Immerhin konnten wir zwischendurch noch einen Saunagang genießen und der weite nächtliche Weg vom Schlafzimmer zum Klo über 2 Etagen wird dem einen oder anderen noch in Erinnerung sein. Hotel Saarpark.

Dienstag: Mettlach-Perl
Im Villeroy & Boch Museum haben wir uns einen unscharfen, prähistorischen Film mit Sir Peter Ustinov über die Porzellanmanufaktur angeguckt. Die Ausstellung mit unzähligen, unterschiedlich gedeckten Tischen war da schon besser. Bei bestem Sonnenschein ging es in die Berge, mit schönen Landschaften, anspruchsvollen Schiebestrecken und rasanten Abfahrten. Hauptsächlich haben wir den Tag damit verbracht, nach einer Einkehrmöglicheit zu suchen und waren von den Angeboten in der vermeintlichen Weingegend ziemlich enttäuscht. Endlich fanden wir ein Restaurant und nachdem wir Reinhard an die kurze Leine genommen haben, war der Wirt bereit, uns auch außerhalb der Küchenzeit eine Suppe warmzumachen. Der hausgemachte Topfkuchen entpuppte sich aufgrund einer Indiskretion der Azubine als Aldi-Produkt.

Das Hotel in Perl lag noch etwas höher als hoch, kurz vor dem Ziel mussten nochmal die Akkus gewechselt werden. Zum Abendessen einen Crémant auf‘s Haus, später einen harmlosen Rosé und zuletzt einen Schnaps von Opa. Soweit alles gut aber um 9.00 Uhr löschte Frau Wirtin die Lichter und nur mit Mühe rückte sie noch ein Fläschchen von ihrem Lieblingsrotwein heraus. Mit einem eher spartanischen Frühstück (Schmierkäse) begann Brigittes Geburtstag. Hotel Hammes

Mittwoch: Perl-Weiskirchen
Nach 500 Metern wir landeten wir auf einer ehemaligen Bergetappe der Tour de France. Aber inzwischen waren wir ja gut trainiert und die Schiebestrecken wurden deutlich weniger. Kurz vor Merzig entdeckte Lucy das Restaurant Saarblick, dass zwar keinen Saarblick dafür aber Flammkuchen und Federweißer hatte. Zum Abschied gab es noch Äpfel aus dem Hausgarten. Nächstes Ziel war eigentlich ein Kuchenbuffet im Schloß-Cafe kurz vor Weiskirchen aber wegen Urlaub müssten wir ziemlich enttäuscht weiter ziehen. Die 4,5 Sterne hatte das Hotel zurecht und einen schnellen Besuch im angrenzenden Sauna- und Wellnessbereich konnten wir noch dazwischen schieben. Dafür waren wir später an der Bar ziemlich erledigt und sind freiwillig früh in Bett gegangen. Parkhotel Weiskirchen

Donnerstag: Weiskirchen-Nohfelden
Und wieder ging es ab in die Berge. Mittags in Nonnweiler 3 kleine Pilz zur Lyoner Pfanne und danach ein Abstecher zur Talsperre. Ganz viel Landschaft aber den Anstieg zum Petersberg haben wir uns geschenkt und sind dafür sehr früh in Nohfelden angekommen, ein Ort in dem man sonst eher nicht anhalten würde. Das Restaurant war abends  aber bis auf den letzten Platz besetzt. Mit dreierlei Vorspeisen im Glas und Nachspeisen auf dreierlei Etagen, das ganze kurz unterbrochen von einem neumodischen Sorbet hat uns die polnische Kellnerin aber am Ende zufrieden gestellt. Hotel Landhaus Mörsdorf

Freitag: Nohfelden-Kirkel
Wir haben uns für die kürze Etappe entschieden. Bergrauf und runter folgten wir einem Höhenwanderweg der römischen Legionäre  mit sehr schönen Ausblicken nach beide Seiten. Und wieder gab es keine Einkehrmöglichkeiten, so dass wir am Ende mit einem Eisbecher auf dem hässlichen Platz in Neukirchen zufrieden sein mussten. Auch die Einfahrt in Kirkel machte uns wenig Hoffnung aber der Wirt von unserem Hotel hat nach leichten Anlaufschwierigkeiten alles wieder rausgerissen. Im sonnigen Garten konnten wir auch außerhalb der Restaurantzeiten das Begrüßungsbier und 2 Fläschchen Grauburgunder genießen. Der richtige Moment für eine Zigarre. Das Abendessen hätte von uns einen Stern verdient, allerdings mussten wir den Getränkeetat kräftig aufstocken. Hotel Ressmanns Residence

Samstag: Kirkel–Saarbrücken
Nach einem guten Frühstück weiter auf die nächste Etappe, diesmal haben wir die längere Variante gewählt. Nach wenigen Kilometern suchten wir in Blieskastel einen Kaffee und fanden einen Prosecco, was auch nicht weiter schlimm war. Danach ungewohnt flach über einen alten Bahndamm oder entlang der Saar, mal in Frankreich, mal in Deutschland und immer gab es Einkehrmöglichkeiten. Mittags konnten wir aufgrund mangelhafter Französischkenntnisse nur Wurstsalat bestellen, der uns den Rest des Tages schwer im Magen lag. In Saarbrücken sind wir ausgeschwärmt, um Proviant für die Rückreise zu kaufen. Für den Abend haben wir auf einen Sternetempel verzichtet und sind stattdessen beim Italiener gelandet. Ohne zu frieren konnten wir den Abend bei italienischer Schmachtmusik und Weißwein vom Gardasee auf der Dachterrasse beenden. Noch einen Absacker in der Hotelbar und ab ins Bett. Domicil Leidinger

Sonntag: Bremen
Nach dem Frühstück mit 2 Taxen zum Bahnhof und dort wartet schon wieder ein Bundesbahn-Rätsel auf uns: Unser Zug fiel aus, stattdessen gab es aber einen Zubringerzug nach Völklingen, wo wir dann unseren Zug nach Koblenz erreichen konnten. Kein Problem. In Koblenz dann 30 Minuten Verspätung, die sich bis Bremen auf fast eine Stunde verlängert hat. Das wurde dann auch der Klimaanlage zu viel. Sie hat einfach Ihren Dienst verweigert und uns im eignen Saft schmoren lassen. Die Bahnfahrt war definitiv der anstrengendste Teil unsere Urlaubs.

Fazit: Die Bahnfahrten waren eine Katastrophe aber mit Hotels und dem Essen waren wir im Schnitt zufrieden. Das Wetter und die Landschaft kriegen fünf Sterne und die Ausschilderung muss so gut gewesen sein, dass Hans-Dieter sie mühelos finden konnte. Die Strecke ist für den Flachländer anspruchsvoll und wenn man nicht beim Schieben erwischt werden will, ist ein E-Bike zu empfehlen. Unterwegs kaum Einkehrmöglichkeiten, da hätten wir uns manchmal ein Picknick gewünscht.