Touren

2013 | Mallorca 8

Copy and paste

Eigentlich könnte man die Reisebeschreibungen der letzten Jahre einfach kopieren und einsetzen. Wetter, Räder, Essen, Trinken – alles war wie immer perfekt. Vermisst haben wir höchstens den Windschatten von Detlef und die ehrgeizigen Ziele von Jens.

Nach dem ewig langen Winter sind wir mit viel Trainingsrückstand gestartet, Trockenübungen auf dem Hometrainer waren nicht wirklich ein Ersatz und wir hatten an den ersten Tagen Probleme, die Wetterverhältnisse auf Mallorca verlässlich einzuschätzen: hält sich das Wetter, wird es etwa noch wärmer, dreht der Wind? Eindeutig war nur, dass es nicht regnen wird, das ist doch schon mal was.

“Was ziehe ich an?” war also die entscheidende Frage, wenn wir morgens vor unserem prall gefüllten Sportwäschefach am Kleiderschrank standen. Boss und Armani haben den Markt noch nicht für sich entdeckt,  was zählt sind Windschlüpfrigkeit, Luftundurchlässigkeit, Atmungsaktivität, winzige Trikots zum Preis eines Konfirmationsanzuges.

Die Qualität der Hose entscheidet sich im Schritt. Das Mehrkomponentenpolster ist die größte Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, der Adapter zwischen  Hintern und Sattel. Eine Unterhose mit irgendwelchen störenden Nähten ist nicht vorgesehen. Ansonsten wird die Wirkung der Polster überschätzt, der untrainierte Hintern tut abends trotzdem immer weh, richtige Radler stehen abends an der Bar.

Oben herum hat sich der Zwiebellook bewährt, wobei man am Rennrad kein Lenkerkörbchen hat, in das man gerade nicht benötigte Kleidungsstücke legen könnte. Atmungsaktives Sportunterhemd nach Belieben, darüber ein Trikot mit möglichst vielen Sponsorenlogos und Herstellerlabels. Je geschmackloser desto besser.  Gegen den kalten Fahrtwind hilft eine Weste, die vorne windundurchlässig ist und hinten Schwitzwasser ungehindert verdunsten lässt. Die Weste kann man später klein wie eine Zigarettenschachtel falten und in die Rückentasche des Trikots stecken. Gegen Gänsehaut an nackten Armen, die den Fahrtwiderstand unnötig erhöhen würden, helfen Armlinge, die den Freiraum zwischen Handschuh und Trikot windschnittig überbrücken. Später am Tag kann man sie rauf oder runterrollen oder zur Weste in die Trikottasche stecken.

Mit seinen Klickklackschuhen bewegt sich der Radfahrer an Land unbeholfen wie eine watschelnde Ente, die im Wasser geschmeidig gleitet – er befindet sich einfach im falschen Element. Ohne die Dinger waren wir auch nicht schlechter und beim Anhalten und Anfahren hat man echte Vorteile, allerdings muss man die mitleidigen Blicke der anderen Radfahrer aushalten.

Zur Ausrüstung gehören noch zwei ekelige Plastiknuckelflaschen, die man im normalen Leben nicht anrühren würde, auf die man sich unterwegs aber wie auf ein Frischgezapftes freuen kann. Wenig Kohlensäure ist wichtig, sonst fährt man auf einer potentiellen Wasserbombe, leicht angereichert mit Magnesium, etwas Calcium, der erste Schritt zum Doping ist getan. Alles was man beim Fahrradbau mühevoll an Gewicht eingespart hat wird durch die beiden prallvollen Trinkflaschen wieder ausgeglichen.

Frisch gepampert geht es an den Start.

P.S. Von den vielen Weindegustationen und den Galadinnern erzähl ich hier lieber nichts, sonst könnte man uns mit den Gourmetradlern verwechseln.