Touren

2011 | Nordseeküste

Emden | Greetsiel | Jever | Oldenburg | Bremen

Schafsködel pflasterten Ihren Weg

Mit dem doppelstöckigen Nahverkehrszug ging es am Freitag Mittag nach Emden und jeder, der sich und seinem Rad schon mal eine Bahnfahrt gegönnt hat, kennt die Situation. Prinzipiell ist das Radabteil immer am anderen Ende des Zuges und wenn man sich endlich über den vollen Bahnsteig durch die drängelnden Bahnreisenden geschlängelt hat, ist das Abteil mindestens schon bis zur Hälfte voll. Ist aber kein Problem: Es gibt immer einen ehemaligen Pfadfinder, der die Situation im Griff hat, Fahrräder nach Größe und Zielorten sortiert, Packtaschen durchreicht, alles ganz entspannt.
Mit ein bisschen Glück kann man selbst noch auf einem der übrig gebliebenen Notklappsitzen abchlllen, Reiseziele mit dem Nachbarn austauschen und natürlich das Reiseproviant auspacken. In einer Hand das Rotweinglas, im Mund die Frikadelle links ein paar Käsesticks und in der dritten Hand ein Stück Baguette. Richtig kompliziert wird es, wenn der Schaffner dann auch noch nach den Fahrkarten fragt.
Vor dem Klo mit der riesigen behindertengerechten Tür wird es auf jeden Fall nicht langweilig wenn die bedürftigen Mitreisenden, sowieso schon etwas unter Druck, mit der Elektronik der Türverrieglung kämpfen. Da gibt es sowieso schon den einen oder anderen blöden Spruch und in unserem Fall überraschte Blicke, weil ein Sportskollege sein riesiges Surfbrett in Ermangelung eines besseren Platzes dauerhaft auf dem Klo deponiert hatte.
Der Rest Routine: Von Emden nach Greetsiel konnten uns nur ein paar Schafsgatter bremsen. Ein kurzer Fotostop an Ottos Leuchtturm und schon waren wir am Ziel der ersten Etappe. Duschen und wieder los, kurze Suche nach der besten Scholle des Ortes um dann mit der zweitbesten Vorlieb zu nehmen. Kurzer Lokalwechsel in eine Vinothek und ab ins Bett.
Auch am 2. Tag wieder Deiche solange das Auge reicht. Links von uns aufgefädelt die ostfriesischen Inseln, rechts Wälder von schnurrenden Windrädern, hinter uns der Wind und vor uns das Fernziel Jever, das wir dann auch mit etwas Verspätung aufgrund von zwei fetten Fischbrötchen erst zur 2. Halbzeit der Bundesliga erreicht haben. Werderfans wird dieser Nachmittag ewig in Erinnerung bleiben, weil Grün/Weiß für 24 Stunden auf dem ersten Tabellenplatz stand. Ansonsten ist Jever fest in der Hand von Jever, dass aber auf keinen Fall Jewer genannt werden will. Der Aufmarsch von Sielmannszügen hatte wohl nichts mit unsere Ankunft zu tun aber der Ort gab sich quirlig, zum Absacker sogar noch mitsingbare Livemusik.
Am Sonntag weiter nach Oldenburg, immer noch ohne Regen. Zum Glück war alles sehr gut ausgeschildert, so dass wir auch ohne die Hilfe unseres Kartenlesers Tom Tom Hartwig, der gesundheitlich etwas angeschlagen war – oder soll ich das gar nicht erwähnen – zielstrebig im Hotel angekommen sind. Abschied von Werders erstem Tabellenplatz und von der FDP im Berliner Landtag.
Am Montag Endspurt an der Hunte entlang, leider auf der falschen Seite (Westufer), so dass wir unnötig viel Landstraße gefahren sind und das havarierte Binnenschiff nicht zu sehen gekriegt haben. Bei Farge über die Weser und ein letztes gemeinsamens Mittagessen direkt am Schulschiff Deutschland in Vegesack. Schulter klopfen, Pläne schmieden. Danach die Hausstrecke über Dammsiel nach Walle. Immer noch trocken.
Böse Stimmen behaupten, dass Axel die Radtour auf seinem Globus geplant hat – ich tendiere eher zu der Theorie, dass die Strecke durch irgendwelche Erdverschiebungen aus der Kontrolle geraten ist und damit praktisch nicht mehr planbar war. Jedenfalls sind wir deutlich unter den angekündigten und gefürchteten Kilometerleistungen geblieben. Ein dickes Lob gibt es auf jeden Fall für 4 Tage ohne Regen und ganz viel Wind von hinten, Sachen die man früher dem Lieben Gott zugeschrieben hätte, für die in diesem Fall Axel aber auch gerne die Verantwortung übernehmen will.


Team: Axel, Hartwig, Reinhard, Peter
Termin: 16. – 19. September
Planung: Axel
Hotels: Greetsiel, Jever, Oldenburg