Touren

2013 | Ruhrtal

Olsberg | Meschede | Herdecke | Duisburg  | Essen

Qualmende Schlote

Ausgerüstet mit 9 dicken Zigarren machten wir uns auf, den Ruhrtalradweg zu erkunden. Falls die Schlote nicht mehr richtig qualmen sollten, wollten wir es wenigstens tun.


Freitag
Wegen der knappen 8 Minuten Umsteigezeit in Dortmund waren wir etwas aufgeregt aber die Bahn hat großzügig noch mal 20 Minuten Verspätung draufgelegt, so dass wir ganz entspannt auf den nächsten Zug nach Winterberg warten konnten. Weil zusätzlich noch mit Schinenersatzverkehr gedroht wurde, haben wir den geplanten Prolog von 42 km  freiwillig auf gute 20 Kilometer verkürzt. Wir sind also bereits in Olsberg ausgestiegen und über kleine fiese Schikanen und jede Menge Bundesstraße nach Meschede geradelt – diesen Teil des Ruhrradwegs kann man sich sparen.
Aus dem schnellen Bierchen zur Begrüßung wurde spontan ein langer ungeduschter Abend auf der Terrasse. Das Hotel von Korff hat alles richtig gemacht. Freundliche Bedienung, leckeres Essen, halber Hummer für Hartwig und die richtige Stimmung für die erste Zigarre. Wie sich später herausstellte war auch das nagelneu angebaute Hotel ein Glücksgriff.


Samstag
Beim Frühstück am anderen Morgen war die Stimmung noch gut aber schon beim Bezahlen fing es an zu regnen und als wir trotzdem die Räder aus der Garage holten, war Hartwigs Vorderreifen schon platt. Der erste Flickversuch scheiterte, so dass wir beschlossen uns professionelle Hilfe in einem Nähmaschinengeschäft zu holen. Mit Hartwigs Hilfe hat der verpeilte Mechaniker wieder Luft auf den Reifen gekriegt und mit reichlich Verspätung sind wir endlich im Dauerregen gestartet. Regenjacke, Regenhose, Regengamaschen drücken bei sommerlichen Temperaturen die Stimmung.
Gegen Mittag hörte es tatsächlich auf zu regnen und wir konnten mit Fiete und Hetty aus Unna
Blutwurst mit Bratkartoffeln unter freiem Himmel essen. Spätestens jetzt wurde auch die Strecke richtig gut. Herrliche Radwege, mal links mal rechts aber immer dicht an der Ruhr. Nach 100 Kilometern haben wir pünktlich an unserem Hotel in Herdecke gebremst. Im Biergarten mit Minigolf und Havanna Lounge schnell zwei Bierchen gezischt und schon fing es richtig an zu schütten. Trotz riesiger Hochzeitsgesellschaft haben wir noch ein Plätzchen im Restaurant gefunden. Ochsenbäckchen standen auf der Tageskarte und anschließend ein doppelter Digestif, serviert von einem italienischen Azubi-Kellner auf einem wackeliger Barwagen. Nach mehreren Dekantern Cote de Rhone haben wir dank Axels Charme auch noch ein Plätzchen zum Rauchen gefunden. Alle gut!


Sonntag
Am anderen Morgen war dann mein Vorderrad platt. Der Reifenwechsel ging schnell aber bei der Ausfahrt aus der Garage hatte Reinhard Streit mit einer Wespe, der mit einem Stich zwischen Auge und Nase begann und für die Wespe tödlich endete. Mit einer Zwiebel konnte Reinhard die Schwellung im Griff behalten und weil wir ja nun mal die Helden sind, ging es gleich weiter.
Die Strecke wieder super, das Wetter trocken, viel Wald, viel Ruhr. Mittags gab es in der Bar Celona die schlechtesten Nudeln der Saison. Die 8 Kilometer lange Einfahrt nach Duisburg war etwas nervig und das Hotel eher was für Geschäftsreisende. Ein Restaurant gab es nicht und der empfohlene Gourmettempel erwies sich dann als mittelprächtiger Pizzaitaliener. Egal, nachdem wir vom Hauswein auf Chianti gewechselt haben und auf der Terrasse unsere letzte Zigarre geschmökt haben, waren wir am Ende wieder mit uns zufrieden.


Montag
Am Montag durch Duisburg bis an den Rhein und in einer großen Schleife über Oberhausen nach Essen. Die Fahrt durch die Industrieanlagen vorbei an rauchenden Schloten, Gasometern und Fördertürmen war spannend und abwechslungsreich. In Essen noch ein kurzer Besuch auf Reinhards Baustelle und es blieb sogar noch Zeit für ein Mittagessen im Freien.
Am Essener Bahnhof trennten sich unsere Wege. Unser Zug nach Bremen hatte satte 25 Minuten Verspätung, da er aber bis Bremen durchfahren sollte und wir keinen Anschlusszug kriegen mussten, blieben wir ziemlich entspannt. Am Ende waren wir wohl zu entspannt, denn nach weiterer Verspätung und anderen Zügen, die auf unserem Gleis ein- und ausfuhren, haben wir die entscheidende Mitteilung verpasst, dass unser Zug diesmal von einem anderen Gleis fahren sollte. Kein Problem. “Jede Stunde – jede Klasse” bedeutet ja wohl, dass wir in einer Stunden den nächsten IC kriegen konnten aber ein Anruf beim Zugführer ergab, dass das Fahrradabteil voll belegt ist. Zwei Möglichkeiten gab es: Trotzdem einsteigen und gucken, was passiert oder den Bummelzug über Münster und Osnabrück mit 2x umsteigen nehmen. Letztlich ist es eine Mischung aus beidem geworden, Wir sind mit einer Flasche Rotwein nach Münster gezuckelt und haben dort ganz frech ohne Reservierung den nächsten IC bestiegen. Trotzdem hatten wir am Ende reichlich Verspätung.


Fazit: Der Ruhrtalradweg ist von der Fahrstrecke unbedingt zu empfehlen. Es reicht aber, wenn man ab Arnsberg einsteigt, vorher geht es viel an Bundesstraßen entlang.  Um Duisburg herum gibt es bestimmt mit den alten und neuen Industrieanlagen noch eine ganze Menge mehr zu entdecken.


Team: Reinhard, Axel, Hartwig und Peter
Planung: Hartwig
Termin: 6. – 9. September
Hotels:
Meschede. Hotel von Korff
Herdecke. Ringhotel Zweibrücker Hof
Duisburg. Hotel Plaza
Der Ruhrtalradweg hat auch eine ganz gute Homepage