Touren

2015 | Holland

Bad Zwischenahn | Papenburg | Groningen | Appingedam | Leer

Knotenpunkte

In Bad Zwischenahn sind wir aus dem Zug gestiegen und dann immer rechtwinklig die Fehn entlang bis nach Papenburg geradelt. Der Ort hat sich zwar gut rausgeputzt aber von der menschenleeren Fußgängerzone waren wir dann doch etwas enttäuscht. Dank Eckhards guter  Lobbyarbeit sind wir am Ende nicht beim Chinesen sondern bei einer einheimischen Wirtin gelandet, die uns schon bei Reingehen gewarnt hat: Das kann aber dauern! – Hat es dann auch, aber als wir uns einmal gut beraten quer durch die Weinkarte getrunken hatten (Gutedel oder Gutedel oder Gutedel) waren wir ganz entspannt und am Ende rundum zufrieden. Das Hotel lag etwas abseits, ideal für Handelsvertreter, wenn es die denn überhaupt noch gibt. www.hotel-graf-luckner.de 

An der Architektur erkennt man sofort, wenn man die Grenze nach Holland überschritten hat. Große Fenster ohne Gardinen, üppig und geschmackvoll dekoriert mit riesigen Leuchtern, Vasen und Blumen. Auch im kleinsten Dorf sieht alles sehr städtisch aus, nicht so piefig, wie in deutschen Dörfern. Trotzte stand in manchen Orten jedes zweite Haus zum Verkauf.

In Groningen sind wir mitten im Feierabendverkehr gelandet und das war selbst für uns erfahrene Radfahrer deutlich zu wuselig. Es gibt wohl irgendein Prinzip, nach dem gefahren wird, aber das hat sich uns so schnell nicht erschlossen. Abends sind wir bei Nieselregen etwas ziellos durch die Straßen gezogenen und am Ende bei einem überfüllten mittelmäßigen Italiener gelandet. Auf dem Rückweg zum Hotel gab`s noch Livemusik mit einem rastalockigen Holländer, der sicherlich bald die Charts stürmen wird. www.hampshire-groningen.nl

Morgens über den Obst-, Gemüse- und Blumenmarkt, aber wenn die Satteltaschen voll sind, nutzt einem das riesige Angebot auch nichts. Kaum am Start hat uns ein mächtiger Hagelschauer zum Unterstellen gezwungen und da die Wetterprognosen für den restlichen Tag auch nicht gut waren, haben wir uns für den kürzesten Weg nach Appingedam entschieden. Ohne Gepäck wollten wir von dort weiter an die Küste fahren. 

Der Ort ist eigentlich ganz niedlich aber das erste Hotel am Platze war nicht nur in die Jahre gekommen – auch in seiner Blütezeit, muss es schon schrecklich düster gewesen sein. Zur Anpassung an aktuelle Hotelstandards hat man eine All-in-one-Plastik-Nasszelle in die Zimmer integriert und wir wissen bis heute nicht, wie man das Ding durchs Fenster oder durch die Tür bekommen hat. Abends dann wieder die Lokalrunde und gegen einen Ägypter hatte niemand eine Chance. Der Holländer ist kulinarisch ein Barbar und in seiner Entwicklung bei Pommes stehen geblieben. Auswahlkriterien beim Wein sind rot oder weiß und wenn man mal ganz chic unterwegs ist auch noch trocken und lieblich. Aber das Konzept gefällt dem Einheimischen denn die Bude war rappelvoll und als dann die Fleischplatten auf den Tisch kamen, wussten wir auch warum. Irgendwann muss der Ägypter mal beim Griechen in die Lehre gegangen sein – es fehlte eigentlich nur der Gratis-Ouso. www.wapenvanleiden.nl 

Auf der Dollartroute ging es zurück nach Leer und da hat dann die friesische Nordseeküste wieder ihr bekanntes Gesicht gezeigt: Deiche ohne Ende, Schafsgatter, Ködel, Gegenwind und Nieselregen. Gerade rechtzeitig haben wir unseren Zug zurück nach Bremen erwischt.

Unbedingt erwähnenswert ist das holländische Radfahrleitsystem. Die ganze Karte besteht aus durchnummerierten Knotenpunkten, Orte, an denen  Entscheidungen zu treffen sind. Man muss sich morgens eigentlich nur eine Liste von Zahlen machen, die man dann nacheinander abfährt. Sicherheitshalber hängt an jedem Knotenpunkt wieder eine Karte zur aktuellen Orientierung.

Fazit: Insgesamt einen schöne Tour, einfache An- und Abreise, speziell in Holland sehr gute und abwechslungsreiche Wegführung, für Gourmettouren aber eher nicht geeignet. 

Donnerstag, 28.05 bis Sonntag, 31.5.
Kilometer: 300
Organisation: Eckhard