Touren

2016 | Burgund

Auxerre | Chablis | Nitry | Avallon | Vézelay | | Cravant | Auxerre

Tour de France

Als moderne Menschen sind wir in der Lage, in jedem europäischen Land ein Glas Wein zu bestellen und wenn es gleich eine Flasche sein soll, können wir die Bestellung mit der entsprechenden Gestik unterstützen. Für viel mehr reichten unsere Französisch-Kenntnisse nicht aber am Ende haben wir trotzdem unser Ziel erreicht.

Auxerre
Hotel Le Parc Marechaux

Trotz mehrerer Angebote von Hans-Dieter, uns mal eben mit dem Van nach Auxerre zu kutschieren, haben wir uns demokratisch korrekt für einen Flug von Bremen nach Paris entschieden. Dort wurden wir in einem kleinen kuscheligen Nebenterminal des "Charles de Gaulle" von einer deutschsprachigen Reisebegleiterin empfangen, mit der Reinhard gerne vorne sitzen wollte. Nach gut zwei Stunden erreichten wir unser Ausgangshotel in Auxerre. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, alles ein bisschen düster, stoffbespannte Wände, antike Möbel, verwinkelte Architektur - eine Flache Wein reichte jedenfalls nicht zum Schöntrinken. Drei Herrenräder und drei E-Damenräder warteten auf uns.

So langsam wurden wir auch hungrig aber der Franzose isst auf keinen Fall vor 20 Uhr und vorher sitzt er auch nicht in Kneipen rum - jedenfalls nicht in Auxerre. Also haben wir uns tourimäßig vor dem Lokal niedergelassen und sind im Kopf schon mal die Essensbestellung durchgegangen. Mit dem Tagesmenü fühlten wir uns auf der sicheren Seite, bis sich herausstellte, das wir uns das Menü selbst zusammenstellen sollten. Die Kellnerin kam uns sprachlich kein Stück entgegen aber der Hunger war groß, die Tolleranzschwelle niedrig und so haben wir uns am Ende mit Hilfe von Lydias Reiseführer einigermaßen durchgekämpft, hängengeblieben ist nur, dass "frommage blanc" nicht der erhoffte Schimmelkäse war, sondern leider ein langweiliger Frischkäse - immer "frommage regional" nehmen - Reisen bildet.

Am nächsten Tag habe wir die schöne Tradition des Picknicks in Frankreich kultiviert und es hat an geeigneten Plätzen eigentlich während der ganzen Fahrt nie gemangelt, auch wenn man manchmal ein bisschen suchen musste. Ein geeigneter Picknickplatz besteht aus einem Tisch, zwei Bänken und ganz viel Landschaft, ergänzt durch unsere Standardausrüstung mit Weinglas, Tischdecke, Besteck, Servietten und Korkenzieher. Jeder "Tante Emma Laden" hatte unterwegs alles, was der Radfahrer sonst noch braucht: Käse, Brot, Schinken, Pasteten und Rotwein.

Chablis
Hostellerie des Clos

Vor der Dusche im Hotel stand der Besuch einer Kellerei (im Keller) auf dem Programm. Eine Französin, die sich nicht endgültig festgelegt hatte, ob sie männlich oder weiblich sein wollte, hat uns in die Geheimnisse der Chablis-Weine eingeweiht, begleitet durch entsprechende Kostproben.

Zurück im Hotel hat Reinhard geprüft, ob man durch intensives, heißes Duschen einen Feueralarm auslösen kann - und es hat funktioniert. Auf diese Weise haben wir alle unsere Hotelnachbarn spärlich bekleidet auf dem Hotelflur vor verriegelten Feuerschutztüren kennengelernt.

Zum Abendessen empfing man uns zur Menüberatung mit einem Aperitif bevor wir dann endgültig an unseren Tisch geführt wurden. Die Menüauswahl hatten wir aufgrund unserer Erfahrungen souverän hingekriegt wenn sich Reinhard nicht plötzlich überlegt hätte, dass er Vegetarier ist. Kein Problem, die Menüberaterin hat versprochen, dass sich da was zaubern lässt und so hat er zum ersten Mal in seinem Leben getrüffelte Nudeln bekommen, mit solchem Trüffel, nach dem das Schwein lange gesucht hat. Aber uns Anderen ging es auch nicht schlechter bis ganz zuletzt auch noch selbstgemachte Pralinen auf den Tisch kamen.

Das Hotel war auf jeden Fall die Nr. 1 auf unserer Tour und wir haben natürlich gehofft, dass das das Niveau für die kommenden Tage ist - das wäre aber zu schön gewesen. Morgens die Packtaschen beim Kaufmann mit dem Nötigsten gefüllt, ergänzt durch eine Zigarre.

Nitry
Auberge de la Beursaudiere 

Das Hotel lag in einem Dorf, dass wohl irgendwann mal bewohnter gewesen war. Jetzt gab es dort außer uns nur noch den Bürgermeister und den Hotelbesitzer. Für den Begrüßungswein haben wir ein Plätzchen auf der Terrasse gefunden. Ansonsten war das Haus total verwinkelt und jemand, möglicherweise die Gattin des Wirtes, hatte versucht sich mit einer möglichst individuelle Zimmergestaltung zu verwirklichen. Alte Koffer, Futtertröge und bepflanzte Fahrräder waren noch das Harmloseste.

Überraschenderweise war das Restaurant am Abend aber total belegt, die Leute sind wohl aus allen Himmelsrichtungen angereist und nach dem üppigen Menü mit abschließender Käseplatte (regional) war klar warum - mit Essen kennen sich die Franzosen aus.

Am anderen Morgen war Brigittes Vorderrad platt und weil wir an E-Bikes nicht selbst rumschrauben durften, mussten wir auf den Austausch des kompletten Fahrrads warten, hat aber gut geklappt.

Avallon
Hostellerie de la Poste

Die Einfahrt in den Ort war mit einer steilen Bergtour verbunden, keine Ahnung, wie man früher die Pferde überredet hat, da hochzuklettern. Der Begrüßungswein im Innenhof ging in Ordnung, unsere großen Zimmer mit Himmelbetten lagen direkt darüber.

Das Essen (Menü) war wohl nichts. Der stieselige Kellner hatte noch nichts von der deutsch-französischen Aussöhnung gehört und hat sich gemeinsam mit dem Koch für den Verlauf der Geschichte gerächt. Auch das Frühstück konnte es nicht wieder rausreißen - man kann in Frankreich auch schlecht essen.

Schön war natürlich die lange Abfahrt an dessen Ende wir dann aber einen kleinen Auffahrunfall hatten und ich das Rad mit einem ungewollten Stunt verlassen musste. Entschädigt wurden wir mittags, als plötzlich und unerwartet ein Restaurant seinen Sonnenschirme für uns aufgespannt hatte. Und weil der Franzose auch mittags schon ein Menü vertragen kann haben wir uns gerne dieser Landessitte angepasst.

Vézelay
Hotel les Glycines

Auch Vézelay liegt auf einem steilen Berg und damit die Touristen trotzdem kommen, werden sie vom Parkplatz mit dem Minibus nach oben gefahren. Bei schönstem Wetter haben wir schräg gegenüber vom Hotel schon mal die Zigarren ausgepackt.

Das Hotel war total verwinkelt an den Berg gebaut aber die Zimmer waren frisch renoviert. Das Abendmenü ist nicht besonders in Erinnerung geblieben, vielleicht, weil wir mittags schon zugeschlagen hatten. Auffällig allerdings das Frühstück in dem wohl kleinsten Frühstücksraum der Welt.

Gleich nach dem Frühstück war Brigittes Vorderreifen wieder platt und der Radveranstalter wollte ein Ersatzrad bringen. Er kam dann auch, hatte allerdings das Rad vergessen und da wir nicht länger warten wollten, sind die Männer schon mal vorgefahren und die Damen sollten dann mit Rädern im Bus nachgefahren werden - hat auch alles geklappt

Cravant
Hostellerie Saint Pierre

Ein ganz kleines Hotel mit einem netten Innenhof und einer deutschsprachigen Wirtin. Die Zimmer waren aber eher Absteigen für anspruchslose Monteure, eng, gammelig und schäbig.

Beim Überraschungsmenü im Wintergarten stellte sich heraus, dass wir die einzigen Gäste sind und der Wirt persönlich hat hervorragend für uns gekocht. Am anderen Morgen Brigittes Geburtstag und das Frühstück, wir waren immer noch allein, war sehr gemütlich. Danach ging es dann gleich steil in die Weinberge, belohnt durch tolle Ausblicke.

Den geplanten Besuch in einem Champagnerkeller haben wir verpasst aber schon ein paar Kilometer weiter standen plötzlich Pagodenzelte einladend am Wegesrand und obwohl es noch gar nicht unsere Zeit war, haben wir in Anbetracht des Geburtstages alle Augen zugedrückt und sind sicherheitshalber eingekehrt, wer weiß ob noch was kommt. Und das war einen gute Entscheidung, denn wie sich später herausstellte ist das Lokal an der Yonne ein echter Geheimtip. Nach dem Menü waren wir allerdings ziemlich erschöpft und mussten alle erstmal ein kleines Nickerchen machen.

Auxerre

Zurück in Auxerre kam uns das Hotel jetzt gar nicht mehr so piefig vor. Bei schönstem Wetter haben wir zufrieden im Garten gesessen. Unsere Räder hatten wir einfach unangeschlossen auf dem Parkplatz stehen gelassen und plötzlich kam die Meldung vom Reiseveranstalter, dass ein Rad und einige Packtaschen fehlen. Da waren wir dann etwas kleinlaut, weil wir die Räder ja nicht angeschlossen hatten, hatten aber für uns beschlossen, dass wir nicht haftbar gemacht werden können, weil ja gar nicht feststellbar ist, wessen Rad eigentlich fehlte. Große Aufregung und weil der Parkplatz videoüberwacht hat das Personal stundenlang die Aufzeichnungen ausgewertet, bis sich dann rausstellte, dass der Veranstalter sich beim Einladen verzählt hatte.

Der Hunger hielt sich wegen der Mittagspause in Grenzen und deshalb haben wir den Abend völlig unfranzösisch mit einer Pizza beendet, haben bei der Gelegenheit aber entdeckt, dass Auxerre sehr wohl ein Kneipenviertel hat.

Nach dem Frühstück haben wir im Garten des Hotels auf unseren Transfer gewartet und dabei einen Businessplan für ein Café gemacht und dabei festgestellt, dass es sich nicht so richtig rechnet, wenn man den Leuten dazu nicht auch noch ein paar Likörchen mitverkauft. Ansonsten waren wir aber hochmotiviert, Reinhard war schon bereit sein Rentnerleben zu überdenken, es fehlt bis heute aber die richtige Location.

Rückfahrt nach Paris, Rückflug - ich glaube, da gab es keine besonderen Vorkommnisse.

Fazit: Frankreich hat seinen Ruf als Schlemmerland zu recht erworben und die Idee, mittags auf ein Picknick zu setzen war genial - weil das Wetter aber auch entsprechend war. Die Unterkünfte wie immer sehr gemischt aber ich fürchte, dass lässt sich, außer bei Sternfahrten nicht anders lösen. Landschaftlich sind Weinberge immer hilfreich, auch wenn sie erstmal mühsam erobert werden müssen.

test