Touren

2017 | Römer-Lippe

Detmold | Paderborn | Hamm | Dorsten | Düsseldorf

Derny

Dernys, das sind die knatternden Mopeds, die einen Radfahrer im Windschatten mitziehen, früher im Abgasnebel eines Zweitackters, heute gesundheitlich unbedenklich mit Elektroantrieb. Und so sind wir dann die meiste Zeit unterwegs gewesen: Reinhard aufrecht mit breitem Kreuz vorweg, Axel und ich tief geduckt hinterher.

Fangen wir am Freitag an.
Im Intercity nach Osnabrück konnten wir wieder wie gewohnt picknicken, diesmal nicht am Buffet sondern als Tellergericht, pro Person fertig portioniert. Ansonsten will die Bundesbahn es jetzt den Privatbahnen nachmachen und Alkohol im Nahverkehr grundsätzlich verbieten. Beim komplizierten Umsteigen in Osnabrück hat die zweite Rotweinflasche den Sturz vom Gepäckträger nicht heil überstanden, was die Stimmung etwas getrübt hat.

Schon als wir in Detmold um die Bahnhofsecke bogen, sah man regnerisch verschwommen die Höhenzüge des Teutoburger Waldes. Da müssen wir rüber und zwar ohne hilfreiche Serpentinen sondern einfach schnörkellos geradeaus. Kaum oben, fingen auch schon die Orientierungsprobleme an, denn die Ausschilderung am Wegesrand hatte nichts mit den Anweisungen des iPhones gemein und die dritte Meinung, eine klassische Faltkarte, half auch nicht weiter. Und so sind wir dann in strömendem Regen durch die Gegend geirrt, über Truppenübungsplätze, durch Externsteine, rauf und runter und die Nerven lagen komplett blank, als wir Orte zum zweiten mal passierten und aus den geplanten 36 Kilometern am Ende 48 wurden. In Paderborn kurz vor dem Hotel haben wir dann noch unseren Schrittmacher verloren, weil er keinen Rückspiegel hatte und uns in den Parkanlagen versehentlich abgehängt hat.

Im Best Western Arosa mussten dann erstmal alle Sachen auf eine viel zu kleine Heizung und nach dem Duschen haben wir vier Bierchen lang auf Hartwig gewartet, der uns, großer Einsatz, tatsächlich in Paderborn besucht hat. Unser Nesthäkchen hat dann auch sofort digitalen Schwung in das Projekt gebracht, hat sämtlich Bewertungsplattformen und sozialen Kanäle genutzt, um für uns das ultimative Restaurant zu finden. Bei "Kupferkessel" waren wir zugeben zunächst etwas skeptisch aber der Laden war tatsächlich die Nr. 1 auf unserer Tour. Gut gegessen, getrunken und was bei vier alternden Herren auch wichtig ist: nette Bedienung, wobei das Geschlecht tatsächlich nebensächlich ist. Der Absacker in der Hotellobby war, wie so oft, maximal 2. Wahl.

Samstag
Am anderen Morgen waren meine Schuhe (Leder) immer noch ziemlich feucht und ich musste den Hotelföhn heißlaufen lassen. Dazu gab es von den Kollegen jede Menge superguter Tipps, wie Schuhe aussehen müssen, mit denen man auf Radtour geht.

Das Frühstück war gut und wir konnten uns richtig Zeit lassen, weil es draußen in Strömen gegossen hat. Hartwig ist schon mal losgefahren und auch wir konnten sogar noch vor den hoffnungsvollen Prognosen des Wetterapps gegen Mittag im Trockenen starten. Nach den Erfahrungen des Vortages sind wir streng nach Navi gefahren und haben einfach nicht hingeguckt, wenn die Ausschilderung uns in andere Richtungen verführen wollte. Möglicherweise haben wir dadurch nicht die schönste Strecke gefunden, hatten aber keinen Stress auch wenn Google sich zwischendurch mal ein Spässchen erlaubt hat und uns quer über Rasenflächen geschickt hat.

Lippstadt war eine einzige Fressmeile und nach leichten Reibekuchen und einem leichten Weißwein haben wir uns auf den zweiten Teil der Strecke gemacht und erst fünf Kilometer vor Hamm hat uns der obligatorische Regenschauer erwischt, den wir aber unter Bäumen gut weggesteckt haben. Das Mercure in Hamm war eher was für deprimierte Handlungsreisende oder Insektologen, die sich dort gerade mit Schlangen, Spinnen und Skorpionen zur Fortbildung trafen - zum Glück alles in Käfighaltung. Hartwigs Lokalsuchtaktik konnten wir leider nicht kopieren, denn unsere Nr. 1 unter den Lokalen hatte eine geschlossene Gesellschaft und etwas fußmüde haben wir uns kurzentschlossen mit der Nr. 127 zufrieden gegeben und so war es dann auch. In zwei Meter Entfernung von einem nimmermüden Pianisten haben wir die schlechteste Pasta des Tage genossen, konnten aber ohne Heizpilz und ohne Möhlmann, draußen noch unsere Zigarren genießen. Zurück im Hotel haben wir uns die Hotelbar verkniffen und sind lieber gleich ins Bett gefallen.

Sonntag
Frühstück ging so, aber es war trocken und die Stimmung entsprechend gut. Bei der ersten Pause an einem Gradierwerk haben wir uns reichlich gesunde, salzig Luft reingezogen, die bis mittags nachhaltig gewirkt hat. Mittags beim schlechtesten Italiener Deutschlands, dem wir sowieso maximal eine Pizza Tonno zugetraut hatten, der aber auch daran schon gescheitert ist, wobei man fairerweise sagen muss, dass der "Italiener" Italien nie gesehen hat seine Wurzeln eher im nördlichen Afrika hatte. Manchmal fehlen einfach die Alternativen.

Weiter im Schweinsgalopp nach Haltern am See weil dort laut App die nächste Sky-Bar lag. Für das 1:1 gegen Herta hätten wir uns nicht die Beine ausreißen müssen, aber zu dem Zeitpunkt gab es noch Hoffnung für Werder und Nouri war noch Trainer. Weiter nach Dorsten und eigentlich war schon klar, dass wir das Hotel Albert nicht mehr verlassen wollen. Leider wusste auch die muffelige Wirtin, dass Radfahrer nach 90 Kilometern keine Lust mehr haben, um die Häuser zu ziehen und hat uns einen Anschiss nach dem nächsten verpasst. Dreimal Ossobuco, netter Versuch, aber so richtig überzeugt waren wir nicht.

Montag
Das Frühstück war in Ordnung und weil wir sowieso seit Tagen nicht mehr auf unserer geplanten Radroute waren, haben wir uns entschlossen, statt nach Xanten gleich nach Düsseldorf zu radeln. Entfernung etwa gleich aber die Bahnfahrt wurde dadurch erheblich kürzer. Das Navi hatte uns inzwischen upgegradet und uns über Bundesstraßen statt über Radwege zu führen. Entsprechend sind wir dann in Oberhausen durch ein riesige Gewerbegebiet unromantisch mitten im "Centro" gelandet, einem Mega-Einkaufzentrum durch das wir völlig außerirdisch unsere Räder geschoben haben. Nach einem Kaffee und einem Regenschauer weiter nach Duisburg und hier hatten wir dann noch richtig Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen. Die Feinschmeckerportale hatten die "Enoteca La Trattoria" für uns ausgesucht und das war dann auch endlich mal wieder ein Volltreffer. Rundum zufrieden sind wir ohne Umsteigen von Duisburg Hauptbahnhof bis nach Bremen durchgefahren.

Fazit: Außer, dass wir wie geplant übernachtet haben, hatte die Tour wahrscheinlich wenig mit dem Römer-Lippe-Radweg zu tun, weil wir nach den Erfahrungen des ersten Tages stur dem Navi gefolgt sind. Das Wetter, die Lokale, den Weg und die Zwischenstopps hat Google für uns ausgesucht. Ich hab keine Ahnung, wo wir waren. Das Gemisch von E- und Muskelkraft muss auch noch geübt werden. Reinhard vorne zu sehen, ist einfach noch ungewohnt und der Ehrgeiz, bei jedem Anfahren dranzubleiben kostet über den Tag viel Kraft, zumal, wenn einem der Wind von vorne bläst.